Lesung mit Nasrin Siege

Vor genau zwei Wochen kam die Autorin Nasrin Siege zu einer Lesung ihres Buches „Juma“ in meinen Unterricht der neunten Klasse. Nasrin hat gemeinsam mit ihrem Mann, einem Entwicklungshelfer, viele Jahre lang in diversen afrikanischen Ländern gelebt – zuletzt bis 2016 in Äthiopien.

Ich hatte geplant das Buch „Juma – Ein Straßenkind aus Tansania“ in Auszügen mit meiner Deutsch-Gruppe der neunten Klasse als Lektüre zu lesen. Durch Zufall kam Nasrin Siege, die Autorin des Buches, für zwei Wochen nach Namibia, um die Schule  und das Hostel zu besuchen. Sie unterstützt mit ihrem Verein „Hilfe für Afrika e.V.“ seit Jahren auch einige Kinder in unserem Hostel, deren Familien sich eine Unterbringung im Hostel nicht leisten könnten.

Im Vorfeld, als ich plante das Buch zu lesen, wusste ich weder, dass die Autorin auch mit der Waldorf Schule Windhoek eine jahrlange Beziehung pflegt, noch, dass sie zu meiner Freude auch bereit sein würde in ihrem Urlaub einen Vormittag zu opfern, um in meinen Unterricht zu kommen. Ich war also sehr erfreut, dass sich sehr spontan die Möglichkeit ergab, Nasrin Siege für eine Doppelstunde am Freitag in meinen regulären Unterricht einzubauen.

Der Beltz Verlag , in dem das Jugendbuch „Juma – Ein Straßenkind aus Tansania“ erschienen ist, fasst das Buch wie folgt zusammen:

Der Überlebenskampf als Straßenkind in Dar-es-Salaam ist trostlos und gefährlich. Lange muss die Hilfsorganisation um Jumas Vertrauen ringen, bis er sich helfen lässt.Seit Jumas Mutter gestorben ist, hat sich für Juma alles verändert. Mit der Stiefmutter kommt er nicht klar, doch, schlimmer noch, sein Vater trinkt. Eines Tages hält Juma es nicht mehr aus und haut ab in die große Stadt, nach Dar-es-Salaam. Das Leben auf der Straße ist hart und gefährlich, auch wenn Juma dort neue Freunde findet, die das Ganze erträglich machen. Als sie von dem neuen „Zentrum“ hören, in dem man sich um Straßenkinder kümmert, reagieren sie misstrauisch und neugierig zugleich. Erst mit der Zeit fassen sie Vertrauen.

Meiner Meinung nach eignet sich diese Lektüre optimal für diese Altersklasse. Es geht um die Geschichte eines Jungen, der in seiner eigenen Familie Ablehnung, Tod und eine zerrüttete Familiensituation vorfindet, und sein eigenes Leben in die Hand zu nehmen versucht. Die Kinder und Jugendlichen können sich mit dem Jungen identifizieren, da die Geschichte aus seiner Sicht erzählt wird, und auch Problematiken, die im Buch immer wieder vorkommen, die Lebenssituation einiger der Schülerinnen und Schüler dieser Klasse widerspiegeln. Ablehung, Tod, Überleben und schwierige Familiensituationen, so weiß ich bereits, finden sich in vielen Biografien unserer Schülerinnen und Schüler wieder.

Für meine Deutschgruppe ist das Buch noch etwas schwer, da die Schülerinnen und Schüler erst das zweite Jahr Deutsch lernen. Ich versuche Teile des Buches zusammenzufassen und nur einige wichtige Ausschnitte aus dem Buch komplett mit ihnen zu lesen. Doch auch so bringt die Geschichte zum Nachdenken.

Nun zur Lesung:

Bereits vor dem geplanten Tag hatte ich mich lange mit der Autorin unterhalten und u.a. den Ablauf dieser Stunde geplant. Wir nutzten für diese besondere Stunde den Eurythmie-Saal, wo die Jugendlichen gemütlich auf dem Boden sitzen können.

Nasrin startete mit einer kurzen Vorstellung ihres Lebenslaufes und stellte zuerst die Arbeit ihres Vereins „Hilfe für Afrika e.V.“ vor. Anschließend kam sie auf ihre Arbeit in Dar-es-Salaam zu sprechen. Dort enstand das Buch Juma, genauer in einem Drop-in Center für Straßenkinder. Nasrin sah und unterstütze die Entwicklung eines Centers für die bedürftigen Kinder. Sie wurde gefragt, ob sie nicht den Kindern dort ihre afrikanischen Märchen und Geschichten vorlesen könne, die sie über Jahre hinweg in vielen afrikanischen Ländern gesammelt hatte. So ging sie oft dorthin und las ihre Geschichten vor. Doch nach und nach brachten auch die Kinde ihre Geschichten mit, Geschichten, die sie gehört hatten und die ihnen erzählt wurden. Nach einiger Zeit begannen die Kinder auch ihre eigenen (Lebens-) Geschichten zu erzählen. Aus diesen Berichten der Kinder ist das Buch „Juma“ entstanden. Es gab auch ein paar Jumas dort im Center, die ihr die Vorlage für die Person des Juma im Buch gaben. Nach diesen interessanten Einblicken und Fotos, begann Nasrin aus dem Buch vorzulesen. Es war unglaublich schön, ihrer Stimme zu lauschen und sich voll auf die Erzählung zu konzentrieren. Am Ende durften auch die Schülerinnen und Schüler noch Fragen stellen – ob zum Buch, zu ihrer Hilforganisation, ihrer Person o.ä.

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Nasrin schreibt auf ihrer offiziellen Facebook-Seite zur Lesung

Im letzten Jahr hatte ich bereits in der fünften Klasse der Waldorfschule Windhoek (Namibia) Märchen aus „Kalulu und andere afrikanische Märchen“ erzählt. Dieses Jahr habe ich nun der inzwischen sechsten Klasse und der neunten Klasse aus „Juma, ein Straßenkind aus Tansania“ vorgelesen und von meiner Arbeit in den Straßenkinderprojekten in Tansania und Madagaskar erzählt.
Beide Lesungen, und mit ihnen die Begegnungen mit den Kindern und Jugendlichen, waren sehr intensiv und jede für sich etwas Besonderes.
Danke, liebe Miriam Warmuth, für die tolle Vorbereitung
Danke, lieber Christian Bosse, für diese schöne Erfahrung

 

Diese besondere Unterrichtsstunde mit Nasrin Siege hat wahnsinnig Spaß gemacht. Wann trifft man schon einmal eine Autorin hauptnah und kann sie zu eine Lesung in die Klasse einladen – tolle Aktion.

 

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